Wohnungs- und Obdachlose im Bergischen Land trifft die Krise besonders hart.

Wohnungs- und Obdachlose sind in der Corona-Krise besonders gefährdet. Sie können sich kaum isolieren und es gibt häufig Vorerkrankungen. Gleichzeitig werden zahlreiche Hilfsangebote wie die Tafeln oder Beratungsstellen eingestellt. Für die ärmsten der Armen im Bergischen Land ist die Situation durch Corona sehr angespannt. Besonders schwierig gestaltet sich die Versorgung mit grundlegenden Dingen zum Leben. Die aktiven HelferInnengruppen kommen an ihre Grenzen und es fehlen Spenden oder finanzielle Unterstützung aus den Kommunen, um diese Arbeit zu finanzieren.

Zusätzlich erschwert hat sich die Lage der wohnungslosen Menschen, da Betroffene wegen geschlossener Jobcenter Schwierigkeiten haben ihren Tagessatz zu erhalten. Das klassische „Schnorren“, das Sammeln von Pfandflaschen und der Verkauf von Straßenzeitungen ist inzwischen sehr stark eingeschränkt oder gar nicht mehr möglich, da die Bevölkerung nur noch die notwendigen Dinge außerhalb erledigt.

Deswegen ist es so dringlich, die nötige Infrastruktur für die wohnungslosen Menschen aufrechtzuerhalten. Das funktioniert aber nur, wenn die Hilfeangebote entsprechend gut ausgestattet und der Krisensituation angepasst sind.

Die Platte e.V. hilft weiter mit Lebensmittelverteilung
Ali Misini ist Vorsitzender des Vereins Die Platte e.V. welcher sich zur Aufgabe gemacht hat, Obdachlose und Bedürftige im Raum Bergisch Gladbach zu unterstützen. Er meint zur Lage: „Wir sehen uns aktuell verpflichtet, unsere Schützlinge jeden Samstag mit Lebensmittel für eine ganze Woche auszustatten, denn das ist jetzt das Wichtigeste, um die Gesundheit sicherzustellen und unsere Schützlinge vor Krankheit zu bewahren. Gäbe es keine Verteilung wären sie gezwungen sich an Mülltonne Lebensmittel zu verschaffen. Ohne Unterstützung und Spenden aus der Bevölkerung und von Unternehmen wäre unsere Arbeit nicht möglich!“

Bei der Lebensmittelverteilung achten die Helfer des ehrenamtlichen Vereins Die Platte e.V. in Bergisch Gladbach sehr streng darauf, dass Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten. Alle Helfer sind mit einem FFP3 Mundschutz ausgestattet. Durch ein „Rundlaufprinzip“ werden Wartezeiten und Schlangenbildung bei der Ausgabe minimiert. Zusätzlich gibt es Abstandsmarkierungen auf dem Boden.

„Der aktuelle Zustand und das noch mindestens 3 Wochen andauernde allgemeine Kontaktverbot bringt unsere Arbeit an Grenzen. Dadurch auch immer noch so viele Menschen Hamsterkäufe tätigen ist es schwierig an Spenden zu kommen. Wir sind somit gezwungen, teuer einzukaufen, um unsere „Care-Paket“ zu füllen. Deshalb sind wir im Moment intensiv auf Spenden angewiesen.“

Es fehlen Spenden!
Die Platte e.V. bittet die Bevölkerung um Spenden. Dabei sind Geldspenden sehr willkommen. Bei Lebensmittelspenden bittet der Verein um vorige Absprache, was sinnvoll ist und gerade gebraucht wird.

  • Die Platte e.V., c/o Ali Misini, Paffrather Str. 84, 51465 Bergisch Gladbach, Tel.: 0160-5628880 – https://www.platte-ev.de
  • Spendenkonto: DE06 370 626 00 364 820 6010 – VR Bank eG Bergisch Gladbach – Leverkusen – Kontoinhaber: Die Platte e.V.
  • Oder hier klicken und sofort mit PAYPAL spenden.

250.000 Wohnungslose in Deutschland
Nach Schätzungen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) sind fast 250.000 Menschen – Flüchtlinge ausgenommen – in Deutschland wohnungslos. Mehr als 41.000 davon ihnen leben auf der Straße.  Die Schutzmaßnahmen zur Kontaktreduzierung greifen bei vielen betroffenen nicht.

Verena Rosenke ist Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) und erklärt: „Die Einrichtungen und Dienste der Wohnungslosenhilfe arbeiten unter erschwerten Bedingungen und hoher Belastung. Der Schutz der Mitarbeitenden und der wohnungslosen Menschen erfordert höchste Anstrengungen. Niedrigschwelligen Angebote wie Tagestreffs sind zum Teil geschlossen oder finden nur sehr eingeschränkt statt. Auch Beratungsstellen müssen ihr Angebot zurückfahren. Die medizinischen Angebote können nur eingeschränkt ihre Angebote aufrechterhalten oder müssen sie ganz einstellen. Stationären Einrichtungen ist ein Aufnahmestopp verordnet worden.  In Notunterkünften sind Menschen nach wie vor in Mehrbettzimmern untergebracht. Den Einrichtungen und Diensten mangelt es an Schutzutensilien und Desinfektionsmitteln. In weiten Teilen des Landes ist die Wohnungslosenhilfe nicht explizit der „kritischen Infrastruktur“ zugeordnet. Vielerorts ist nicht geklärt, wie für wohnungslose Menschen Quarantänemaßnahmen sichergestellt werden können – insbesondere nicht bei einer steigenden Infektionsrate in Deutschland“

Unterkünfte für mehr Schutz vor COVID-19 erweitern
In dieser Situation bekräftigt die BAG W ihre Forderungen nach Sofortmaßnahmen. Die BAG W fordert, dass die Belegungsdichte in Unterkünften umgehend reduziert werden muss: Dazu müssen zusätzliche Räumlichkeiten von den Kommunen akquiriert und angemietet werden, beispielsweise Pensions- und Hotelzimmer und Ferienwohnungen. So könnte man möglichen Quarantänemaßnahmen in Einzelzimmern sicherzustellen. Für besonders vulnerable Gruppen von Wohnungslosen müssten abgeschlossene Wohneinheiten vorgehalten werden, um sie schützen zu können. Glücklicherweise hätten einige Kommunen bereits reagiert und erweiterten ihre Unterbringungsmöglichkeiten, aber das sei lange nicht überall so …

Aufrechterhaltung der Essensausgaben
Die Aufrechterhaltung von Essensausgaben und anderen niedrigschwelligen Angeboten, um auch die Versorgung der Menschen, die ganz ohne Unterkunft auf der Straße leben muss sichergestellt werden. In die Erlasse der Länder und Kommunen zur Bestimmung kritischer Infrastrukturen sollten nach Ansicht der BAG W die Dienste und Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe aufgenommen werden.

Zwangsräumungen sollten ausgesetzt werden
Darüber hinaus fordert die BAG W gesetzliche Regelungen zur Aussetzung von Zwangsräumungen aus Wohnraum: Schon lange vor der CORONA-Krise sind Räumungsverfahren eingeleitet worden, die jetzt unbedingt und verbindlich ausgesetzt werden müssen. Vollstreckungsschutzanträgen müsste nachgegeben werden, denn das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit gemäß Art.2 des Grundgesetzes muss geschützt werden. Die Justizbehörden der Länder sollten mit den Amtsgerichten vereinbaren, Zwangsräumungen auszusetzen.

„Wir halten es nicht für verantwortbar, Zwangsräumungen von Wohnraum vorzunehmen. Menschen dürfen in dieser Situation nicht aus ihren Wohnungen geräumt und in Notunterkünfte eingewiesen werden, die schon jetzt überlastet sind. Deswegen begrüßen wir es sehr, dass in einzelnen Regionen, beispielsweise in Dresden, Berlin, Flensburg, Tettnang im Bodenseekreis Zwangsräumungen ausgesetzt sind“, so Rosenke.

Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V. . www.bagw.de

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