Erstes Fazit nach einer Woche Lockerungen Gastronomie: Lage dramatisch – Umsätze schwach

Über 75 Prozent der Gastronomen setzten nur maximal 50 Prozent zu Vergleichswoche um +++ über 40 Prozent unter 25 Prozent Umsatz +++ 91 Prozent direkt geöffnet +++ Lockerungen bleiben Experiment +++ direkte staatliche Hilfen weiter nötig +++ Branche hofft auf Veranstaltungen +++ mehr außengastronomische Flächen hilfreich

„Ohne weitere Lockerungen, mehr außengastronomische Flächen und vor allen Dingen mehr staatliche Unterstützung wird Gastronomie für viele Betriebe mittelfristig nicht mehr funktionieren“, ist Bernd Niemeier, Präsident des DEHOGA Nordrhein-Westfalen nach Auswertung einer Blitzumfrage, die der Hotel- und Gaststättenverband NRW nach einer Woche Lockerungen durchgeführt hat, überzeugt. Die Umfrage, an der sich mehr als 1.000 Gastonomen aus Nordrhein-Westfalen beteiligt hatten, ergab, dass rund 77 Prozent der Gastronomen maximal die Hälfte der Umsätze im Vergleich zu einer Mai-Woche 2019 erwirtschafteten (40 Prozent bis zu 25 Prozent, achtProzent mehr als 75 Prozent). „Der Lockdown war furchtbar, die Phase der Lockerungen bleibt für viele aber ein Experiment mit ungewissem Ausgang.“ Eine frühere Erhebung des DEHOGA hatte ergeben, dass mittelfristig durchschnittlich mindestens 70 Prozent der „normalen“ Umsätze erwirtschaftet werden müssen, um überleben zu können.

Gründe für die schwachen Umsätze sieht der Verband vor allen Dingen in den reduzierten Kapazitäten aufgrund der Mindestabstandsregelungen und der jetzt angelaufenen „Gewöhnungsphase“ zwischen Gast und Gastronomen nach acht Wochen Corona-bedingter Schließung. „Natürlich ist vieles neu und anders, deshalb sind wir für unsere Gäste auch jederzeit für Fragen offen, um zu erklären, warum wir was jetzt machen“, so Niemeier.

91 Prozent eröffnet
Trotz der unsicheren wirtschaftlichen Lage hat das Gros der Gastronomen seine Türen wieder geöffnet. Ab dem ersten Tag waren das landesweit über 91 Prozent. Einige wollen später öffnen, 4,5 Prozent aber während der Lockerungsphase aus ökonomischen Erwägungen geschlossen bleiben. „Es war an der Zeit, wieder aus der Passivität in die Aktivität zu kommen, bei den Gästen sein zu können. Aber die betriebswirtschaftlichen Herausforderungen, vor dem Hintergrund geringer Umsätze und gestiegener Kosten bleiben“, weiß Bernd Niemeier.

Forderungen bleiben
Der DEHOGA fordert weitere direkte finanzielle Hilfen für die Branche. „Die Politik darf sich nicht wegducken. Die Probleme im Gastgewerbe sind trotz Lockerungen noch so immens, dass wir eine Härtefallregelung benötigen, auch im Bereich gesetzlicher Pachtanpassungen“, fordert Niemeier. Neben direkten Hilfen macht sich der DEHOGA für einen gesetzlichen Minderungsanspruch für Pächter und Mieter stark.

Darüber hinaus hoffen Gastronomen und Hoteliers auf eine Normalisierung mit weiteren Lockerungen, vor allen Dingen im Veranstaltungsbereich. „Für viele Gastronomen und Caterer sind private und geschäftliche Veranstaltungen eine überlebensnotwendige Umsatzquelle, die gerade brachliegt. Schön wäre, wenn Veranstaltungen, die in den Betrieben möglich sind, auch wieder bei uns möglich stattfinden können.“

An die Kommunen gerichtet hofft der DEHOGA  auf die unbürokratische Ausweisung von mehr außengastronomischen Flächen, weil außengastronomische Angebote gerade jetzt im Frühling und Sommer eine große Rolle spielen. „Wenn wir ein Gastronomie-Sterben und ein Dahinsiechen auf Raten verhindern wollen, hilft nur ein ganzes Bündel an Maßnahmen“, unterstreicht Niemeier abschließend.

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